2026-03-18 05:55Press release

Kreislaufwirtschaft in Schkopau – vom Abfall zum Produkt 

Thomas Block und Anna LundbomThomas Block und Anna Lundbom, Geschäftsführer:innen der Phosphorgewinnung Schkopau GmbH

Die Phosphorgewinnung Schkopau GmbH baut in Schkopau, Sachsen-Anhalt, eine Anlage zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlammasche, die bei der Verbrennung von kommunalem Klärschlamm entsteht. Die Anlage nutzt das Ash2Phos-Verfahren, mit dem mehr als 90 % des in der Asche enthaltenen Phosphors extrahiert und zu einem hochwertigen Calciumphosphat aufbereitet wird.   

Die Anlage entsteht am Chemiepark Schkopau als weltweit erste großtechnische Rückgewinnungsanlage dieser Art und soll Im Laufe des Jahres 2027 in Betrieb gehen.   

Die PGS ist ein Joint Venture zwischen EasyMining und GELSENWASSER. Im Interview sprechen die beiden Geschäftsführer:innen, Anna Lundbom und Thomas Block, über ihre Arbeit in Schkopau und wie sie die Zukunft der Kreislaufwirtschaft mitgestalten.  

Jedes große Projekt beginnt an einem Ort, der etwas Wesentliches bietet. Was macht Schkopau zum richtigen Ausgangspunkt für die Ash2Phos-Technologie? Was sind die besonderen Vorteile des Standorts?

Anna Lundbom:
 Es handelt sich beim Standort Schkopau um einen historisch gewachsenen Chemiestandort. Dadurch haben wir natürlich eine gute Ausgangslage, was Rohstoffe, Mitarbeitende, Wissensbasis und Partner betrifft. Wir erhalten maximale Unterstützung von den Genehmigungsbehörden sowie den Ministerien in Sachsen-Anhalt, aber auch durch die umliegenden Kommunen. Es gibt also viele Faktoren, die bei der Standortwahl entscheidend waren. Wir sind auf solche Rahmenbedingungen angewiesen, da wir große Mengen an Chemikalien und Rohstoffen benötigen, die wir hier bereits vorfinden.

Der Bau der Ash2Phos-Anlage hat 2025 begonnen, die Inbetriebnahme ist für 2027 geplant. Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Baustellenteam organisiert und wie läuft die tägliche Koordination mit den Mitarbeitenden vor Ort? Wie würden Sie die Atmosphäre beschreiben?

Thomas Block: Es ist wichtig für ein solches Großprojekt, einen lokalen Partner wie die EDL Anlagenbau Gesellschaft mbH zu haben. Das Projekt läuft nach Plan, auch wenn es wie bei allen solchen Projekten kleinere Probleme gibt: In komplexen Projekten müssen die Partner zusammenfinden, und das ist hier geschehen. Wir sind gemeinsam auf dem richtigen Weg. Die Herausforderungen werden gemeinsam gelöst. Für Mitte 2027 peilen wir den Produktionsstart an. 

Anna Lundbom:
 Wir treten jetzt in eine sehr spannende Phase ein, in der die zukünftige Betriebsorganisation aufgebaut wird und die ersten Mitarbeitenden bereits an Bord sind. Es ist fantastisch, das Engagement dieser Menschen zu sehen. Alle sind überzeugt, einen Beitrag für die Zukunft zu leisten, vielleicht nicht für den ganzen Planeten, aber zumindest für Deutschland und die kommunale Abwasserbranche. Diese Überzeugung ist überwältigend und trägt natürlich auch zu einem guten Betriebsklima bei. 

EDL ist der EPCm-Auftragnehmer (Engineering, Procurement and Construction Management (EPCm) des Bauvorhabens und wenn die Anlage in 2027 fertiggestellt ist, wird sie eine Kapazität von 30 000 Tonnen Klärschlammasche pro Jahr haben. Damit leistet sie einen Beitrag zur Schließung des Phosphorkreislaufs sowie zur Reduzierung von Importabhängigkeiten dieses kritischen Rohstoffs – ein wichtiger Schritt für nachhaltige Rohstoffsicherung und Kreislaufwirtschaft. 

Mehr Personal wird vor der Fertigstellung der Anlage gebraucht. Wann werden Sie weitere Stellen ausschreiben?

Anna Lundbom: Wir planen, zum Jahresende 2026 mit weiteren Einstellungen zu beginnen, damit das Team rechtzeitig vor der Inbetriebnahme vollständig ist, alle Prozesse und Abläufe etabliert sind und trainiert werden können. 

Dow als Betreiber des Chemieparks Schkopau hat angekündigt, die Produktion vor Ort zu verringern. Hat das Auswirkungen auf die Produktion in der Ash2Phos-Anlage?

Thomas Block: Die Entwicklung in der Region betrifft uns natürlich, aber sie gefährdet unser Projekt nicht. Für das Ash2Phos-Verfahren zur Phosphorrückgewinnung aus Klärschlammasche werden u. a. Salzsäure und Natronlauge benötigt, die bisher in Schkopau produziert werden. Sollten Salzsäure und Natronlauge zukünftig vor Ort nicht mehr zur Verfügung stehen, wird die PGS diese auf dem Markt einkaufen und in den benötigten Mengen nach Schkopau transportieren. Die Produktion der Ash2Phos-Anlage ist dadurch gesichert. 

Salzsäure wird im Prozess eingesetzt, um den wertvollen Phosphor aus der Klärschlammasche zu lösen, Natronlauge wird im weiteren Produktionsbetrieb verwendet, um aus dem gelösten Phosphor ein Calciumphosphat zu erzeugen, das am Markt unter dem Namen RevoCaP vertrieben werden soll.   

RevoCaP ist eines der Ash2Phos-Produkte und bereits für den Einsatz im ökologischen Landbau zugelassen. Haben Sie auch schon die Verkaufsentwicklung und ein Vertriebsnetzwerk im Blick?

Anna Lundbom: Der Phosphor- bzw. der Düngemittelmarkt ist eher national oder europäisch ausgerichtet. Phosphor ist ein nicht ersetzbarer, kritischer Rohstoff, der derzeit ausschließlich importiert wird, u. a. aus Russland. Für Sachsen-Anhalt ist es eine großartige Gelegenheit, einer der ersten Produzenten eines recycelten, sehr reinen Düngemittels zu sein, das sowohl für den ökologischen als auch für den konventionellen Landbau und möglicherweise auch als Futtermittel verwendet werden kann. Die Tatsache, dass es für den ökologischen Landbau zugelassen ist, zeigt den hohen Wert des Produkts.  

Stellt die Ash2Phos-Anlage noch weitere Produkte her?
 
Anna Lundbom: Wir recyceln nicht nur Phosphor, sondern auch andere wichtige Materialien wie Eisen, Aluminium sowie Sand. All diese Stoffe werden von der Gesellschaft benötigt und bieten uns neue Marktchancen. 

Eisen und Aluminium werden als Eisenchlorid und Natriumaluminat wieder der chemischen Industrie zugeführt, bzw. in der Abwasserbehandlung eingesetzt, der gewonnene Sand kann in der Bauindustrie Verwendung finden – somit kann man fast von einer vollständigen Verwertung der Klärschlammasche sprechen.

Gibt es Abfallstoffe beim Ash2Phos-Prozess?  

Thomas Block: Unser Prozess entfernt Schwermetalle aus der Asche, die zunächst deponiert werden. Es gibt aber bereits Entwicklungsprojekte und Interessenten, die einen Wert in diesem Schwermetallkonzentrat sehen. Auch das Abwasser wird von uns selbst behandelt, was einen nachhaltigen Beitrag für die Umwelt leistet.  

Wie ist die Kooperation von EasyMining und Gelsenwasser entstanden? Was war die Initialzündung für diese Partnerschaft als europäisches Unternehmen?

Thomas Block: Beide Unternehmen engagieren sich für die Kreislaufwirtschaft und die tatsächliche Zusammenarbeit entstand durch die individuellen Hintergründe der beiden Partner: EasyMining hatte die Technologie und Gelsenwasser ist ein starker Akteur auf dem deutschen Versorgungsmarkt. Die Partnerschaft ergänzt sich durch das Wissen über Asche, Abwasser und Technologie. Deutschland ist Vorreiter bei der Umsetzung von Recyclingvorgaben für kritische Rohstoffe, was angesichts geopolitischer Entwicklungen besonders wichtig ist.  

Von Schkopau zum globalen Markt: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung der Kooperation? Was sind die nächsten Schritte?

Anna Lundbom: Der Fokus liegt zunächst auf dem deutschen Markt, aber es gibt auch Interesse aus dem Ausland. Ziel ist es, zunächst eine erfolgreich laufende Anlage in Schkopau zu betreiben und das Wissen dann auf andere Standorte zu übertragen.  

Gibt es denn schon Pläne, weitere Ash2Phos-Anlagen zu bauen?

Anna Lundbom: Wichtigstes Ziel ist zurzeit, die erste Ash2Phos-Anlage in Schkopau in den erfolgreichen Regelbetrieb zu bringen. Dann transferieren wir die Erkenntnisse, die wir hier gewonnen haben, in weitere Anlagen ein, z. B. für die geplanten Anlage in Helsingborg, Schweden, oder aber in Südwestdeutschland. Wir sind offen für weitere Kooperationsprojekte in Deutschland, hier ist zunächst unser Fokusmarkt.   

Was unterscheidet Ihren Ansatz von Wettbewerbern?

Thomas Block: Wir begrüßen den Wettbewerb, denn wir werden nie die gesamte Asche in Deutschland verarbeiten können. Unterschiede zu anderen Anbietern möchten wir erst dann benennen, wenn wir das Produkt in der definierten Qualität produzieren und auf dem Markt platziert haben.  

Wie würden Sie PGS als Arbeitgeber beschreiben?

Anna Lundbom: PGS ist ein innovatives Unternehmen, das sich der Kreislaufwirtschaft und dem Recycling verschrieben hat. Sicherheit steht bei uns an oberster Stelle. Wir suchen Menschen, die es als Herausforderung sehen, Strukturen mitzugestalten und Teil einer zukunftsorientierten Unternehmenskultur zu sein. 

Thomas Block: Wir sind stolz darauf, einen Beitrag zur Ressourcensicherheit zu leisten und die lokale Wirtschaft zu stärken. Wir starten hier gemeinsam, um die Zukunft nachhaltiger zu gestalten! 

Die Unternehmen 

Die Phosphorgewinnung Schkopau GmbH (PGS) wurde 2021 von EasyMining Services Sweden AB und der GELSENWASSER AG gegründet, um die erste Ash2Phos-Anlage in Deutschland zu bauen. Diese erste Anlage im industriellen Maßstab wird im Chemiepark Schkopau in Sachsen-Anhalt errichtet und hat eine Kapazität von 30.000 Tonnen Asche aus verbranntem Klärschlamm pro Jahr. Die Anlage wird Asche aus der Mono-Verbrennung aufnehmen und behandeln. PHOSPHORGEWINNUNG SCHKOPAU (pg-schkopau.de) 

 EasyMining entwickelt und implementiert nachhaltige Prozesse im industriellen Maßstab, die eine echte Kreislaufwirtschaft schaffen. Durch die Aufbereitung von Abfallstoffen zu essentiellen Nährstoffen für Pflanzen und Tiere ermöglicht EasyMining eine nachhaltigere Nutzung von Ressourcen. EasyMining gehört zur Ragn-Sells-Gruppe, einer privaten Unternehmensgruppe, die in Nordeuropa in den Bereichen Abfallmanagement, Umweltdienstleistungen und Recycling tätig ist. www.easymining.com/de

GELSENWASSER AG 
Alles Leben kommt aus dem Wasser – so entstand auch Gelsenwasser! 1887 im Ruhrgebiet gegründet, ist Gelsenwasser heute eines der größten deutschen Wasserversorgungsunternehmen. Sehr wichtig ist dem Unternehmen der Ressourcenschutz. Infrastruktur und Versorgung sind die Schwerpunkte: vom Wasser- und Abwasserbereich über Energie (Gas, Strom, Wind, PV, Wärme), Digitales über Industrieparks (Life Science, Chemie) bis zur Kreislaufwirtschaft (Klärschlammverbrennung plus Phosphorrecycling). 
Team blau-grün - die Infrastruktur-Spezialisten | Gelsenwasser 

Für Presseanfragen: 

Pressestelle Gelsenwasser  
Heidrun Becker, André Ziegert
Telefon: 0209 708-247
Telefax: 0209 708-292
E-Mail: pressestelle@gelsenwasser.de  

Pressestelle EasyMining
Dr. Daniel Frank
Telefon: 0160 30 88 324
E-Mail: Daniel.Frank@easymining.com 

Kontaktdaten: 

Phosphorgewinnung Schkopau GmbH 
Straße M60 
06258 Schkopau 
Vertreten durch die Geschäftsführer Anna Lundbom und Thomas Block 
info@pg-schkopau.de 

Logo PGS

 

 

 



About EasyMining

EasyMining develops and implements sustainable industrial-scale processes that create true circularity. We convert elements from waste into essential nutrients for plant and animal growth. We are owned by Ragn-Sells Group, a privately held corporate group involved in waste management, environmental services, and recycling in Northern Europe. www.easymining.com


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